Kartoffeln pflanzen: aber richtig!

Jeder Deutsche verspeist pro Jahr im Durchschnitt 50 Kilogramm an Kartoffeln.

Kartoffeln sind die beliebteste Beilage auf deutschen Tellern. Ist dies aber auch nicht verwunderlich, können aus der Knolle die verschiedensten Gerichte wie Kartoffelbrei, Bratkartoffeln, Kroketten oder Pommes Frites gezaubert werden.

Alles was es beim Kartoffeln pflanzen zu beachten gilt, erfahren Sie nachfolgend in diesem Artikel. Versprochen!

Kartoffeln anbauen

Das gute vornweg, der Anbau von Kartoffeln gestaltet sich sehr einfach. Außerdem erfordern Kartoffelpflanzen, nach dem setzen i.d.R. keine besondere Pflege mehr bis zur Ernte. Daher sollten gerade Kleingarten Novizen Kartoffeln anbauen, um die ersten Erfahrungen bzgl. des Gemüseanbaus zu sammeln.

Kartoffeln pflanzen: Aussaat

Kartoffelpflanzen sind sehr frostempfindlich und daher sollte man die Knollen, um ganz sicherzugehen,  nicht vor Mitte April auspflanzen. In wärmeren Klimaregionen oder wenn kein Frost mehr zu erwarten ist, können die Knollen aber auch schon früher in die Erde gesteckt  werden. Als guter Richtwert hat sich ein Wert von 10° C, bezogen auf die Bodentemperatur etabliert.

Wenn doch noch mit spätem Frost zu rechnen ist, nachdem die Kartoffelpflanze schon die ersten grünen Triebe ausgetrieben hat, sollten die Pflanzen mit Vlies, Stroh, oder Planen abgedeckt werden, um jegliches Erfrieren zu vermeiden. Sind die Austriebe dennoch von Frostschaden nicht gefreit, treibt die Kartoffelknolle einfach neue Triebe aus. Jedoch ist die Pflanze dadurch in ihrer gesamten Entwicklung geschwächt und somit ist diese anfälliger für Krankheiten. Ebenso sollte mit einem geringeren Ernteertrag gerechnet werden.

Kartoffeln setzen

In dem vorbereiteten Beet können die ersten Kartoffeln dann gepflanzt werden, sobald die Bodentemperatur 10° C übersteigt. In einem Abstand von 50 bis 70 cm zueinander werden mit einer Hacke oder einem Häufler etwa 10 cm tiefe Furchen gezogen. In diese Furchen sind anschließend, in einem Abstand von 30 bis 40 cm, die Kartoffeln zu setzen, wobei die Keime nach oben schauen sollten. Sobald alle Kartoffeln gepflanzt wurden, kann die Furche mit Erde bedeckt werden.

Anmerkung: Der genaue Pflanzabstand variiert von Sorte zu Sorte etwas.

Kartoffeln vorkeimen lassen

Möchte man den Pflanzen einen besseren Start ins Leben geben, kann man die Kartoffeln vorkeimen lassen. Besonders Sinn macht dies bei Frühkartoffeln, da die Ernte schon im Mai eingeholt werden kann, sodass der Boden noch anschließend für eine Folgekultur genutzt werden kann. Vor Schutz vor Kälte sollte das Beet der Frühkartoffeln mit Folie bespannt werden.

Der Grund fürs Vorkeimen ist der, dass vorgekeimte Kartoffeln weniger anfällig gegen Krankheiten wie die Kartoffelfäule sind und hierdurch wiederum die Ertragssicherheit erhöht wird. Auch wird der Erntebeginn um ca. zwei Wochen verkürzt.

Etwa vier bis acht Wochen vor dem auspflanzen, ist es an der Zeit die Kartoffelknollen in einen ausreichend hellen und kühlen Raum mit einer Temperatur von etwa 10 bis 15° C zum vorkeimen flach auszulegen. Nach einigen Tagen zeigen sich zuerst kleine Keime, aus denen anschließend im weiteren Zeitverlauf lange, kräftige Triebe werden. Sind die Triebe jedoch dünn und lang, so sind diese wahrscheinlich aufgrund von zu wenig Lichteinfall bzw. zu hohen Temperaturen vergeilt. Diese schwachen Triebe werden beim setzen der Knollen wahrscheinlich einfach abbrechen.

Kartoffeln pflanzen: Standort & Beet vorbereiten

Kartoffel gelten als anspruchslose Pflanzen, die auf (fast) allen Böden gut gedeihen. Bevorzugt wird jedoch ein lockerer, etwas sandiger Lehmboden. Kartoffelpflanzen sind Starkzehrer, was für einen guten Ernteertrag wiederum einen Nährstoffreichen Boden bedingt. Außerdem können Kartoffeln Staunässe nicht ab, mögen dafür aber umso mehr die Sonne.

Ansonsten gibt es nicht mehr viel zu beachten bezüglich des Standorts beim Kartoffeln pflanzen.

Herbst: Bereits im Herbst sollte das zukünftige Kartoffelbeet mittels Grabegabel etwa 30 cm tief umgegraben werden, wobei die Erdschollen den gesamten Winter über unberührt liegen bleiben sollten. Steine und größere Wurzelunkräuter sind hierbei zu entfernen.

Frühling: Im Frühjahr ist der Boden großflächig mit verrotteten Stahlmist oder Kompost (3 l/ m²)  anzureichern. Jedoch sollte dies im Vorfeld, d.h. zwei, drei Wochen vor dem pflanzen geschehen, da Kartoffeln empfindlich auf Überdüngung reagieren. Anschließend sind die Erdschollen mit einem Handgrubber zu zerkleinern und das Bett glattzuziehen.

Kartoffeln anhäufeln

Sobald die Pflanzen eine Höhe von 10 bis 15 cm erreicht haben, sollte man die Kartoffeln anhäufeln. Hierzu wird die Erde mittels einer Hacke so hoch an die Kartoffelpflanze gezogen, bis nur noch die Triebspitzen herausschauen. Nach drei Wochen sollte der Vorgang wiederholt werden. Außerdem sind freilegende Kartoffeln mit Erde zu bedecken.

Das Anhäufeln lockert den Boden, fördert die Knollenbildung und soll verhindern, dass Tochterknollen aus der Erde schauen, wo diese durch die Lichteinwirkung grün werden und Solanin bilden.

Während des Anhäufelns ist gleichzeitig auch das Unkraut zu entfernen. Denn die Unkräuter stehen zu den Kartoffelpflanzen in Konkurrenz, um Sonnenlicht, Nährstoffe und Wasser.

Alternativ besteht auch die Möglichkeit, den Boden mit einer  ca.20 cm hohen Stroh-, Gras- oder Laubschicht zu mulchen. Diese Mulchschicht fördert das Leben von Bodenorganismen, wodurch der Boden Nährstoffreicher und lockerer wird.

Die zweite Alternative zum Kartoffel anhäufeln ist es, das Kartoffelbeet mit schwarzer Folie zu bedecken, in das aber für die Kartoffeln jeweils Schlitze geschnitten werden müssen. Unter der Folie erwärmt sich der Boden rasch, Unkraut kann nicht heranwachsen und die freiliegenden Knollen werden nicht grün.

Ernte

Sobald die Blätter zu welken und abzusterben beginnen, kann damit begonnen werden, die Kartoffeln zu ernten. In den meisten Fällen erstreckt sich der Erntezeitraum zwischen Juni bis zum Oktober – je nach Sorte, Pflanzzeitpunkt und Wetterverhältnissen.

Ist man sich nicht sicher, ob die Kartoffeln schon reif sind, buddelt man am besten zwei, drei Kartoffeln aus und testet die Schale. Diese sollte, wenn die Knolle reif ist, sich nicht mehr zwischen den Fingern lösen. Außerdem ist bei reifen Kartoffeln die Schale nicht mehr arg hell.

Zeitpunkt der Kartoffelernte:

  • Frühkartoffeln – Ende Mai bis Anfang Juni (sobald die Pflanzen blühen)
  • Mittel-frühe Kartoffeln- Mitte August bis Ende September (3 Monate)
  • Späte Kartoffeln – Mitte September bis Ende November

Lagerung

Kartoffeln müssen dunkel und kühl gelagert werden, damit diese nicht zu früh austreiben. Eine Temperatur zwischen 3° bis 5° C und eine Luftfeuchtigkeit um 90 % bieten optimale Voraussetzungen. Aus diesem Grund bietet sich auch der Keller als idealer Lagerplatz an.

Beschädigte oder mit Krankheiten/ Schädlingen befallene Kartoffelknollen nicht mit ins Lager geben. Bei einer Temperatur unter 0° C wandelt sich die enthaltene Stärke in Zucker um, wodurch die Knollen vom Geschmack her nur unangenehm süß werden.

Frühkartoffeln – Frühkartoffeln sind aufgrund ihres hohen Wasser und geringen Stärkegehalts kaum Lagerfähig. Bei längerer Lagerung schrumpeln und keimen diese schnell auf. Frühkartoffeln sind zum Sofortverzehr geeignet und sollten nachdem diese geerntet wurden, innerhalb von 14 Tagen verzehrt werden. Daher werden die Knollen auch nur bedarfsweise ausgegraben, während die restlichen weiter im Boden zu belassen sind.

Mittel-frühe Kartoffeln– Mittel-frühe Kartoffelsorten verfügen über eine festere Schale als Frühkartoffeln und lassen sich deshalb auch problemlos drei Monate lagern.

Späte Kartoffeln – Späte Kartoffelsorten lassen sich aufgrund ihrer dicken Schale und hohen Stärkegehalts den ganzen Winter lang über lagern. Hierzu ist aber ein gutes Ausreifen der Schale wichtig, daher sollten die Knollen erst dann geerntet werden, nachdem die Kartoffelpflanzen vollständig abgestorben sind.

5 Pflegetipps für einen größeren Ertrag

Optimale Vorkultur

Als optimale Vorkultur im Vorjahr gelten tiefwurzelnde Gründüngungspflanzen wie etwa Hülsenfrüchtler (Erbsen, Bohnen, Wicken oder Lupinen). Leguminosen transportieren aus niedrig gelegenen Bodenschichte Nährstoffe, reichern den Boden mit Stickstoff an und schützen den Boden vor Erosion.

Folgejahr: nicht die gleiche Anbaufläche verwenden

Um die Verbreitung von bodenbürtigen Krankheiten und Unkeziefer zu vermeiden bzw. einzudämmen, sollten Kartoffeln nur alle vier Jahre am selben Platz gepflanzt werden.

Optimale Folgekultur

Buschbohnen, Erbsen, Endivien, Kohlrabi und Kopfsalat stellen gute Folgekulturen dar.

Langanhaltende Trockenheit: bewässern

Bei langanhaltender Trockenheit sollten die Pflanzen regelmäßig bewässert werden, da die Knollen in kürzester Zeit relativ viel Masse bilden und ausreichend Wasser zum wachsen erfordern.  Selbiges gilt ebenso für trockene Standorte.

Schlechte Nachbarn: Tomaten

Tomaten sollten nicht in der Nähe von Kartoffeln angebaut werden, da pilzliche Erreger wie die Braunfäule sowohl Kartoffeln, als auch Tomaten gleichermaßen befallen können. Daher sollten die beiden Gemüsepflanzen auch nicht zu dicht beieinanderstehen, da ein etwaiger Pilzbefall sonst zur anderen Kultur übergehen kann.

Krankheiten und Schädlinge

Zu den bekanntesten Kartoffelschädlingen gehört zweifelsohne der Kartoffelkäfer. Doch auch andere Schädlingen, Krankheiten und Pilzen stellen eine Gefahr dar.

Schädlinge

  • Kartoffelkäfer
  • Drahtwurm

Krankheiten

  • Kartoffelschorf
  • Kraut- & Braunfäule

Kartoffel Sorten

Die weltweite Anzahl an Kartoffelsorten ist mit einer vierstelligen Anzahl unüberschaubar. Jedoch werden davon nur wenige in der Deutschland und Europa angebaut. Klassifiziert werden können die heimischen Kartoffelsorten am besten nach ihrem Erntezeitpunkt und dem Kochtyp.

Erntezeitpunkt                                                Vegetationsdauer                          Sorte

Sehr frühe Sorten:                         90 bis 100 Tage                                 Gloria, Astoria, Solist

Frühe Sorten:                                   110 bis 130 Tage                              Cilena, Augusta, Sieglinde

Mittelfrühe Sorten                        130 bis 150 Tage                              Nicola, Blauer Schwede, Agria

Späte Sorten:                                   150 bis 170 Tage                              Aula, Granola, Arran Victory

 

Kochtyp

Fest kochend – Aufläufe, Salate, Gratins

Vorwiegend fest kochend – Brat-, Salz- und Pellkartoffeln

Mehlig kochend – Eintöpfe, Püree, Klöße, Suppen, Kroketten und Folienkartoffel

Kartoffelanbau: Terrasse & Balkon

Um Kartoffeln pflanzen zu können benötigt man nicht unbedingt einen Garten. Ein mit Erde befühlter Behälter erfüllt den Zweck ebenso gut. Als Behältnis kann ein großer Blumenkübel (30 l), ein Sack oder eine Tonne herhalten.

Der Kartoffelanbau unterscheidet sich von dem im Bett. Daher einfach den Behälter mit Erde füllen, die vorgekeimte Kartoffel hineinstecken und mit einer ca. 10 cm hohen Schicht Erde bedecken. Anschließend muss das Behältnis nur noch an einen sonnigen Platz aufgestellt und regelmäßig gegossen werden.

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